Dienstag, 16. November 2021

Hokus Pokus Fidibus


Vor Kurzem habe ich einen Beitrag zum aktuellen Jugendwort des Jahres verfasst. Und da die Präsentation des Wortes des Jahres auch nicht mehr weit ist,  dachte ich mir, ich sammle mal Eure Lieblingswörter aus eurem Leben und fange dabei mit meinem Lieblingswort an: Es handelt sich dabei um den etwas aus der Mode gekommenen Begriff "Fidibus". Als es noch keine Streichhölzer gab, wurden Papierstreifen zusammengefaltet und an einem offenen Feuer, meist dem Ofenfeuer, angezündet um sich etwa eine Pfeife anzumachen. Diese wurden als "Fidibus" bezeichnet. Teilweise wurde auch das Stück Papier, das zum Anzünden des Ofens selbst verwendet wurde, als Fidibus bezeichnet.
Woher der Begriff kommt, ist nicht genau geklärt. Im Deutschen Wörterbuch wird angegeben, dass der Begriff vermutlich aus dem Französischen übernommen wurde. Dort wird ein dünner Holzspan als fil de bois bezeichnet
(vgl. http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&lemma=fidibus).
Fakt ist, dass der Begriff schon sehr früh sogar seinen Einzug in die Literatur gefunden hat. Bei Wilhelm Busch heißt es:

„Wer in Dorfe oder Stadt / Einen Onkel wohnen hat, / Der sei höflich und bescheiden, / Denn das mag der Onkel leiden. / Morgens sagt man: ‚Guten Morgen! / Haben Sie was zu besorgen?‘ / Bringt ihm, was er haben muß: / Zeitung, Pfeife, Fidibus.“ (Max und Mortiz, 1865)
Ich persönlich verbinde mit dem Begriff einige schöne Kindheitserinnerungen. Meine Urgroßmutter hat noch einen Kamin in der Wohnung besessen. Im Winter durfte ich meistens mit einem Fidibus, einem zusammengerollten Stück Zeitungspapier, das Holz anzünden. Anschließend konnte ich stundenlang vor dem Kamin sitzen und dabei zusehen, wie die Flammen zündeln und für Wärme sorgen.

Übrigens, die Verwendung in dem wohlbekannten Zauberspruch "Hokus Pokus Fidibus" entstand vermutlich eher zufällig. Eine Theorie dazu besagt, dass der Spruch als eine Parodie auf die katholische Kirche zur Zeit der Reformation in England entstanden sein könnte. Demnach habe sich der Begriff aus "Hoc est Corpus" (dt. dies ist der Leib (Christi) entwickelt. Der Fidibus passte da wohl eher zufällig, zumal Feuer und Magie gerne in Verbindung gebracht werden.


Vielleicht habt ihr auch ein Lieblingswort, zu dem ihr einen besonderen Bezug habt. Schreibt es mir doch in die Kommentare oder noch besser, schreibt doch einen eigenen Blogeintrag zu dem Thema. Ich freue mich auf Eure Geschichten, die ich gerne unter diesem Blogeintrag gesammelt aufliste.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Die Sache mit dem Sprachverfall

 Immer wieder höre und lese ich, dass die Jugend von heute nicht mehr in der Lage ist, sich "richtig" auszudrücken. Der so genannt...