Sonntag, 27. November 2022

Die Sache mit dem Sprachverfall

 Immer wieder höre und lese ich, dass die Jugend von heute nicht mehr in der Lage ist, sich "richtig" auszudrücken. Der so genannte "Sprachverfall" alarmiert die Gelehrten, die sich um das Aussterben der deutschen Sprache fürchten. Ich frage mich allerdings, ob diese befürchteten Horrorszenarien wirklich so schlimm ausfallen werden. Tatsächlich scheint besonders die Schriftsprache durch den Umgang mit den neuen Medien und Spracherkennungsprogrammen uneinheitlicher und ungenauer zu werden; eine Entwicklung, der man sicher stärker entgegenwirken sollte. Unsere Sprache an sich verfällt dadurch aber sicherlich nicht. Sprache an sich unterliegt einem ständigen Wandel, Begriffe werden neu interpretiert, fallen weg oder kommen durch Kontakt mit anderen Sprachen hinzu. Kaum eine Sprache, abgesehen von vereinzelten Inselsprachen wie isländisch bleibt über mehrere Jahrhunderte konstant.


Schauen wir uns unsere eigene Sprache an, werden wir auch feststellen, dass sie sich über die Jahrhunderte stark verändert hat. Angefangen bei den Minnegesängen von Walther von der Vogelweide über die erste deutsche Ausgabe der Bibel von Martin Luther bis hin zu Goethe, Brecht und Härtling ist doch eine deutliche Veränderung in der Sprache zu erkennen. Diese Veränderungen werden sich auch in Zukunft sehen lassen. Sicherlich ist es sehr ungewohnt, dass wir einen Teil unserer Gefühle neuerdings mit Smileys und Emoticons zum Ausdruck bringen. Aber auch das kann nach meiner Ansicht, wenn wir es denn zu lassen, zu einem festen Teil unserer Sprachkultur werden, ohne dass unsere Sprache dadurch verfallen würde.

Sprache ist etwas Wunderbares und wir sollten darauf achten, dass sie in sich einheitlich und verständlich bleibt. Gleichzeitig ist es schön, wenn altertümlich wirkende Begriffe wie blümerant oder Brimborium weitergegeben werden. Aber wir sollten uns auch nicht vor neuen Ausdrucksmöglichkeiten, neuen Begriffen oder neuen Ausdrücken verschließen. Sprache ist lebendig und wird es immer bleiben. Wo wir allerdings stärker hinschauen sollten, ist die Verrohung von Sprachmustern, die sich durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten zieht. Hier lässt sich eher ein Verfall der "guten Sitten" erkennen. 

In diesem Sinne bleibt nett zueinander und habt eine schöne Adventszeit!

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