Dienstag, 23. August 2022

Von Sprachlinien und Sprachgrenzen

  Meine Heimatstadt Düsseldorf ist bekannt für Altbier, die Kö, Schickimicki (wobei das nur ein Gerücht ist) und eine Fahrstuhlmannschaft der Fussballbundesliga der Herren. Sie, beziehungsweise ein Stadtteil ist allerdings auch Namensgeber einer Sprachgrenze, einer so genannten Isoglosse der deutschen Sprache. Als Sprachgrenze werden Regionen bezeichnet, in denen zwei Ausprägungen eines sprachlichen Merkmals der selben Grundsprache aufeinander treffen.
Im Falle der Benrather Linie treffen hier die hochdeutschen Sprachvarianten auf die niederdeutschen
Sprachvarianten. Sie bildet gemeinsam mit der Uerdinger Linie ein gemeinsames Sprachgrenzenbündel.
Was heißt das genau? Sehr einfach lässt sich diese Sprachgrenze mit der Lautverschiebung k --> ch verbinden.
Nördlich der Benrather Linie gab und gibt es zum Beispiel die Wörter "maake" für <machen>, "ick" oder "eck" für <ich> und "hopen" für <hoffen>. Ein paar Kilometer weiter südlich davon, zum Beispiel in der besonders von Düsseldorfern sehr beliebten Domstadt auf der anderen Rheinseite, findet man bereits vorwiegend die hochdeutschen Varianten "maache", "ich" oder "isch" und "hoffe".
Wer aufgepasst hat wird feststellen, dass sich viele Begriffe der englischen Sprache ähneln. Auch dort hat die zweite Lautverschiebung ihre Spuren hinterlassen. So kann es sein, dass sich ein Sprecher der plattdeutschen Sprache und ein Sprecher der englischen Sprache relativ gut miteinander verständigen können, ohne ihre eigene Sprache zu wechseln. Leider trifft auch hier der Sprachwandel in den Vordergrund, sodass sich auch die plattdeutsche Sprache immer stärker dem Hochdeutschen annähert. Wer allerdings genau hinsieht, findet immer wieder einige Überbleibsel dieser Abgrenzungen. So findet sich in Urdenbach etwas südlich von Benrath die Bücher Straße, die an der so genannten "Böke Pomp" vorbeiläuft.

Freitag, 5. August 2022

Der Rubel rollt

 Die weltweite Wirtschaft scheint aus den Fugen zu geraten und die unterschiedlichsten Währungen sind derzeit in aller Munde. Aber woher kommen die Namen der einzelnen Währungseinheiten? Was hat der Dollar mit Slowenien zu tun? Und wieso bezieht sich die Lira auf das Wiegen von Waren?
Fangen wir am Besten von vorne an. Der Tausch von Gütern zu vorher vereinbarten Konditionen ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Bereits 2000 Jahre v.d.Z. wurden Schnecken oder Muscheln als Zahlungsmittel in China verwendet. Schon zu diesem Zeitpunkt soll es übrigens auch das erste Falschgeld gegeben haben Im europäischen Sprachraum hat sich die Entwicklung von Münzgeld seit dem 7. Jhdt. v.d. Z. entwickelt. Durch die Erkenntnis, dass es nun eine verbindliche und einheitliche Tauschwährung gab, die einen festen Wert besitzt, hat sich das Produkt Münzgeld schnell durchsetzen können. Woher kommen nun aber die verschiedenen Namen für unsere Währung?

Los geht es mit der guten alten Mark (Ältere unter uns werden mit dem Begriff noch etwas anfangen können). Hier gibt es zwei Erklärungen über den Ursprung. Zum einen könnte der Begriff auf die alte germanische Wurzel <marka> zurückgeführt werden, die mit "Teilung" oder "Geteiltes" übersetzt werden kann. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass früher die Gewichtstücke zum Wiegen von Waren mit einer Marke versehen worden sind. Diese Gewichtstücke wurden genutzt um den Wert der Ware festzulegen, sodass sich im weiteren Verlauf die Bezeichnung Mark für eine Geldeinheit durchgesetzt hat. Ähnlich ist es mit dem bereits in der Überschrift erwähnten Rubel. Er hat seinen Namen aus dem russischen Wort für "abhauen", <rubit> übernommen. 

Ähnlich verhält es sich mit den Bezeichnungen Lira und Pfund. Während sich die Lira von dem lateinischen Wort für Waage, <libra> und der damit zusammenhängenden Gewichtseinheit ableitet, ist die Verbindung zwischen dem britischen Pfund und dem Gewichtsmaß relativ eindeutig. Interessant wird es, wenn man das Zeichen für das britische Pfund anschaut. Das £ entstand nämlich wiederum aus dem zuvor schon erwähnten lateinischen libra. 

Der Dollar hat seinen Ursprung ebenfalls im deutschen Sprachraum, er leitet sich von dem Taler ab. Dieser wiederum hat seinen Namen vermutlich daher, dass er ursprünglich im Joachimstal (jetzt Tschechische Republik) hergestellt wurde. Er war also ein "Joachimstaler". Einen ähnlichen geographischen Bezug gibt es bei dem ungarischen Forint. Er ist abgeleitet vom "Forin" oder Florentiner Gulden, der, wie der Name es schon vermuten lässt, in Florenz im Umlauf gewesen ist.

Interessant ist die Verbindung zwischen dem ehemaligen österreichischen Schilling und dem ehemaligen
portugiesischen Escudo. Beide könnten sich aus den jeweiligen Begriffen für "Schild" herleiten. So lässt sich der Escudo vom lateinischen <scutum> ableiten, während der Schilling sich aus dem germanischen <*skildulingaz> entwickelt haben könnte. 

Zuletzt ein Beitrag aus dem fernen Asien. Der japanische Yen hat seinen Ursprung in der chinesischen Sprache. Dort bezeichnet der Begriff <yuan> lediglich einen runden Gegenstand. Theoretisch könnt somit jeder Knopf als Yen genutzt werden. Ob die Händler diesen jedoch als Zahlungsmittel akzeptieren, sei an dieser Stelle mal offen gelassen.

Sonntag, 10. Juli 2022

Doppelt gut

 Reduplikationen gehören in vielen Sprachen zum festen Bestandteil des Vokabulars. Sie können verwendet werden, um eine Verstärkung von Adjektiven, eine Vervielfältigung von Nomen oder aber auch als Verben um einen Verlauf von Tätigkeiten zu markieren. So werden in vielen afrikanischen Sprachen Reduplikationen verwendet, um eine sich wiederholende Tätigkeit auszudrücken.
Auch in der deutschen Sprache findet sich tatsächlich eine Vielzahl von Reduplikationen. Ich rede hier allerdings nicht von der Lautsprache. Hier beschränken sich die Wörter mit einer echten Wiederholung fast ausschließlich auf einige wenige Grundbegriffe wie "Mama" oder "Papa" oder auf Wörter mit einem lautmalerischen Hintergrund wie "Kuckuck".
Die Deutsche Gebärdensprache, die übrigens erst seit 2002 als eigenständige Sprache in Deutschland anerkannt ist, kennt jedoch eine Vielzahl von Reduplikationen für verschiedene Funktionen. Sie werden hier in nahezu allen Wortgruppen verwendet und stellen so auf einfache Weise Wiederholungen dar.
Besonders ergiebig ist hier die Klasse der Verben, bei denen eine regelmäßige Wiederholung von Tätigkeiten oder eine lang anhaltende Tätigkeit dargestellt werden kann. Aber auch Nomen können als Reduplikation präsentiert werden, wenn es z.B. um paarweise auftretende Gegenstände handelt. Ebenso werden Zahlwörter mit gleichen Ziffern als Reduplikation repräsentiert. Man muss also wieder einmal nicht in die Ferne reisen, um sich mit ungewöhnlichen Eigenschaften von Sprache und Sprachen vertraut zu machen.

Montag, 13. Juni 2022

Es gibt noch Hoffnung

Vor ein paar Monaten habe ich einen Post über die Verwendung von eigentlich neutralen Begriffen, die heute in einem negativen Kontext gesehen werden geschrieben. Vor ein paar Tagen habe ich wieder einmal erlebt, dass offensichtlich ein Umdenken, zumindest bei einzelnen Personen stattfindet. Als regelmäßiger Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs bleibt es bei mir nicht aus, dass ich die ein oder anderen Wortfetzen aus Gesprächen meiner Mitmenschen mitbekomme. In diesem Fall hat sich eine Gruppe von Jugendlichen über die üblichen Themen unterhalten, wobei irgendwann die Bemerkung fiel, wie "behindert" eine Aktion doch gewesen sei. Interessant war die Reaktion der anderen Gruppenmitglieder, die sofort darauf hingewiesen haben, dass "man doch so etwas nicht mehr sagt." Es sei schließlich ziemlich "lame" diese Wort zu benutzen. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt. Mich würde es freuen, wenn wir wieder mehr darauf achten, welche Wörter eigentlich wertfrei genutzt werden sollten, und welche Wörter sich tatsächlich für eine Bewertung eignen. In dem Zusammenhang frage ich mich manchmal, ob unser Drang zur political correctnes nicht genau das Gegenteil bewirkt von dem, was es eigentlich bewirken soll. Wenn man nicht "scheiße" sagen darf, nutzt man halt andere Begriffe. Vielleicht sollten wir hier mit den "klassischen" Kraftausdrücken etwas gnädiger sein, bevor weitere Gruppen durch eine falsche Wortwahl herabgesetzt werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mittwoch, 1. Juni 2022

Eine (kleine) Trendwende?

 Seit längerer Zeit geht man in der Wissenschaft davon aus, dass die Anzahl der Sprachen weltweit immer weiter abnimmt. Aktuell liegt die Anzahl der gesprochenen Sprachen laut Ethnologue, einem linguistischen Sammelwerk das sich darum bemüht alle Sprachen der Welt zu klassifizieren, bei 7151 Einzelsprachen.
Allerdings, kommen auch immer mal wieder neue Sprachen hinzu. In dem Vielsprachenstaat Indonesien wurde jetzt von Forschenden eine Sprache entdeckt, die von etwa 280 Personen gesprochen wird. Die Sprache, Jedek, unterscheidet sich von allen anderen Sprachen, die in dem Gebiet gesprochen werden, sodass sie innerhalb der Sprachwissenschaften als eigenständige Sprache und nicht als Dialekt eingestuft werden konnte.
Aufgrund der geringen Sprecherzahl ist es allerdings unwahrscheinlich, dass Jedek noch lange überleben wird. Bleibt nur zu hoffen, dass die Klassifikation früh genug abgeschlossen sein wird, bevor alle Sprecher*Innen verstorben sind.

Quelle: https://www.spektrum.de/news/bislang-unbekannte-sprache-in-malaysia-entdeckt/1541099

Von Sprachlinien und Sprachgrenzen

  Meine Heimatstadt Düsseldorf ist bekannt für Altbier, die Kö, Schickimicki (wobei das nur ein Gerücht ist) und eine Fahrstuhlmannschaft ...