Donnerstag, 9. Dezember 2021

Moses und die Vetternwirtschaft

 Wir leben in einer Welt, in der immer häufiger darauf geachtet wird, bloß die richtigen Begriffe zu verwenden, um auf gar keinen Fall irgend eine Personengruppe herabzuwürdigen oder anzugreifen. Die Diskussionen über "Zigeunerschnitzel" und "Negerküsse" dürften bei den meisten Personen noch im Gedächtnis sein. Interessant ist bei der gesamten Debatte über "political correctness" im Sprachgebrauch, dass sie auch hier (vermutlich weil es zu aufwändig erscheint) nicht konsequent durchgezogen wird.

Der Begriff "mauscheln" oder "Mauschelei" ist so ein Begriff, der in meinen Augen weitaus mehr Aufsehen erregen sollte, als die oben genannten Speisen. Der Ursprung dieses Synonyms für Vetternwirtschaft oder Klüngeleien ist nämlich von dem jüdischen Namen "Mosche", also Moses abgeleitet. Demnach hat man schon im 17. Jahrhundert jüdische Händler, die aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit nicht immer den besten Ruf hatten, als "Mauschel" bezeichnet und wenn jemand mauschelte, sprach oder handelte er stereotypisch wie ein Jude, also den antisemitischen Vorurteilen zufolge , die auch damals schon vorhanden gewesen sind, wie ein Betrüger oder Wucherer.
Gerade in letzter Zeit erleben wir wieder verstärkt einen offenen Antisemitismus, der gerade in Deutschland eigentlich mit aller Deutlichkeit und Konsequenz unterdrückt werden sollte. Nicht zuletzt die in meinen Augen perverse Umdeutung der während des NS-Regimes verwendeten Judensterne im Umfeld der Impfgegner wird zwar kritisch kommentiert aber meiner Meinung nach (unabhängig vom eigentlichen Thema und die Diskussion darüber) viel zu selten deutlich sanktioniert. Umso wichtiger sollte es für und Alle  sein, diese Hetze zusätzlich nicht durch verdeckte, antisemitisch auslegbare Begriffe zu unterstützen. Erst recht nicht, da unsere Sprache genug starke Begriffe besitzt, mit denen Betrügereien und geheime Absprachen treffend formuliert werden können.

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